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Der Turmbau zu Babel
Februar, 2022: Der Beginn des russisch-ukrainischen Krieges haben Schock und Entsetzen bei den meisten Menschen ausgelöst. Mich haben diese furchtbaren Ereignisse zu einem 5-teiligen Bilder-Zyklus bewegt unter dem Thema „Der Turmbau zu Babel“ mit folgenden Titeln:
Der gerechte Krieg
Menschenopfer
urbane Zerstörung
Eskalation
Hungersnöte: Panzer statt Weizen
Aus dieser Werk-Reihe, die alle den kompositorischen Aufbau einer „Turm-Baustelle“ haben, möchte ich folgendes Bild näher erläutern:
Der gerechte Krieg:
Diese Collage auf naturfarbener Leinwand zeigt die Baustelle eines Turmes, des Turms von Babel. Der Turm ist aufgebaut aus Bausteinen, einzelnen Papier-Rechtecken, beschriftet mit der Übersetzung der Worte „Der gerechte Krieg“ in viele verschiedene Sprachen und Schriften. Die Perspektive der einzelnen Etagen des Bauwerks erscheint verstörend falsch. Sie soll die falsche Zielsetzung der Erbauer erahnen lassen, die schon jetzt bevorstehende Einsturzgefahr! Aber wo sind die Menschen auf dieser Baustelle?

Eigentlich müsste es bei einem solchen Mammut-Projekt von Arbeitern nur so wimmeln! Sie fehlen.Es scheint, sie haben sich im Setzen ihres Backsteins schon „einen Namen gemacht“ und ihr Soll erfüllt, ihr Statement gesetzt. Übersetzer-Apps lassen ja ein weltumfassendes Verstehen zu und damit Sprach- und Schriftgrenzen überwinden. Wozu also noch an Ort und Stelle sein, Gesicht zeigen? Anonymität genügt doch auch: Leitern, Baugerüste, Sand- und Schotterhaufen sind nur noch Staffage. Die Aussagen sind festzementiert, ein Vis à Vis lästig, Gespräche unerwünscht und Zeitverschwendung. Der Einsturz des Gebäudes ist durch die oben beschriebenen Konstruktion ja schon vorprogrammiert. Hybris, Selbstgefälligkeit und Egozentrik, die sich im privaten sowie im politisch-gesellschaftlichen Bereich spiegeln, treiben diese Katastrophe voran:Die Ideologien zur Rechtfertigung dieses Krieges von russischer, amerikanischer, ukrainischer und europäischer Berichterstattung drifteten und driften extrem auseinander.Der Krieg wird entmenschlicht. Wird womöglich die nukleare Eskalation das heutige Ende des Turmbaus von Babel? Griechen und Römer wie Plato und Cicero, viele nachfolgende Philosophen und Friedensforscher zerbrachen sich über das Thema „Der gerechte Krieg“ den Kopf. In meinen Augen führt die Frage nach einem gerechten Krieg wie der Turmbau von Babel zu einer Katastrophe: Das ursprüngliche Konzept gerät aus den Fugen und eskaliert in noch mehr Ungerechtigkeit, Gewalt und Zerstörung. Das Miteinender-Sprechen bleibt auf der Strecke, wie die babylonische Sprachverwirrung beschreibt. Übrig bleiben „Menschenopfer“, „urbane Zerstörung“, „Eskalation“ und „Hungersnöte: Panzer statt Weizen“, meine weiteren vier Bild-Interpretationen unserer ukrainisch/europäisch/amerikanisch/russischen Hybris, angetrieben von Deals und Machtgier.
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